**Teil 2 – Fortsetzung der Geschichte**
Ich blieb hinter der mit Efeu bewachsenen Mauer versteckt.
Daniels Stimme klang ruhig, aber voller Gefühl.
„Ich hoffe nur, dass es ihr gefällt. Nach allem, was sie durchgemacht hat, verdient sie einen Abend, den sie niemals vergessen wird.“
Eine Frau lachte leise.
„Mach dir keine Sorgen. Es wird perfekt. Alle sind vorbereitet.“
Ich spürte, wie sich mein Herz zusammenzog.
„Alle?“
Von wem sprachen sie?
Ich machte noch einen Schritt nach vorne und berührte dabei versehentlich einen Keramiktopf.
Er wackelte und fiel zu Boden.
Daniel drehte sich sofort um.
„Elena?“
Langsam trat ich zwischen den Pflanzen hervor.
Es hatte keinen Sinn mehr, mich zu verstecken.
„Es tut mir leid… aber du warst plötzlich verschwunden und…“
Ich verstummte, als ich sah, mit wem er gesprochen hatte.
Vor ihm stand eine etwa fünfundsechzigjährige Frau in der Uniform des Restaurants.
Daniel lächelte.
„Elena, darf ich dir Sofia vorstellen? Sie ist die Besitzerin dieses Restaurants.“
Die Frau reichte mir die Hand.
„Es freut mich sehr, Sie kennenzulernen. Daniel spricht seit Tagen über Sie.“
Überrascht blinzelte ich.
„Über mich?“
Daniel seufzte.
„Ich glaube, ich habe die Überraschung verdorben.“
Er nahm vorsichtig meine Hand.
„Komm mit.“

Er führte mich zur Hauptterrasse.
In dem Moment, als wir nach draußen traten, gingen die Lichter aus.
Dann leuchteten sie wieder auf – eines nach dem anderen.
Auf der Terrasse mit Blick auf das Meer brannten Dutzende Kerzen.
Ein Geiger begann leise zu spielen.
Die Kellner brachten eine kleine Torte.
Darauf stand geschrieben:
**„Es ist nie zu spät, neu anzufangen.“**
Ich war sprachlos.
Daniel kam näher.
„Ich habe dir doch gesagt, dass ich noch eine Überraschung für dich habe.“
Meine Augen füllten sich mit Tränen.
„Aber… warum hast du gesagt, dass du noch nie hier gewesen bist?“
Er lächelte verlegen.
„Weil ich wollte, dass du glaubst, alles wäre spontan. In Wirklichkeit komme ich schon seit Jahren hierher. Sofia ist eine alte Freundin und sie hat mir geholfen, diesen Abend vorzubereiten.“
Ich lachte unter Tränen.
„Ich war kurz davor zu glauben, dass du eine andere Frau versteckst.“
Er brach in Lachen aus.
„Mit siebzig habe ich nicht mehr die Energie für Geheimnisse.“
Dann wurde er ernst.
„Aber ich habe noch genug Energie für einen Neuanfang.“
Er holte eine kleine Schachtel aus seiner Tasche.
Es war kein Ring.
Darin lag ein Schlüssel.
„Was ist das?“
„Der Schlüssel zu meiner Wohnung.“
Ich blieb regungslos stehen.
„Das bedeutet nicht, dass du bei mir einziehen musst.
Es bedeutet nicht, dass du jetzt irgendeine Entscheidung treffen musst.
Es bedeutet nur, dass, wenn du irgendwann nach Griechenland zurückkommst und einen Ort brauchst, an dem du dich wie zu Hause fühlst… meine Tür wird für dich immer offen sein.“
Ich schloss die Schachtel und drückte seine Hand.
„Weißt du, was das Schönste ist, das ich in dieser Woche gelernt habe?“
„Was?“
„Dass manchmal das wichtigste ‚Ja‘ nicht das ist, das man jemand anderem gibt.
Es ist das ‚Ja‘, das man seinem eigenen Leben schenkt.“
Daniel sah mich lächelnd an.
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns am Flughafen mit dem Versprechen, uns wiederzusehen.
Drei Monate später kehrte ich nach Griechenland zurück.
Nicht, weil ich einen Urlaub brauchte.
Sondern weil ich nach einem ganzen Leben voller Angst davor, „Ja“ zu sagen, erkannt hatte, dass die schönsten Kapitel manchmal genau dann beginnen, wenn man glaubt, die eigene Geschichte sei bereits zu Ende.



