Meine Schwiegermutter fand mich zusammengebrochen neben dem Esszimmertisch, und als sie ihren Sohn nach Hause rief, sah er mich an und sagte: „Sie hat eine Waschmaschine und einen Staubsauger. Frauen von heute beschweren sich zu viel.“ Da wandte sich seine Mutter an ihn und sagte etwas, das sich zuvor noch niemand getraut hatte, ihm zu sagen.

Teil 2 – Die Fortsetzung der Geschichte

Răzvan kam mit Darius auf dem Arm in die Küche.

Ich beobachtete ihn von der Tür aus.

Er öffnete den Kühlschrank.

Schloss ihn wieder.

Machte einen Schrank auf.

Dann noch einen.

„Irina, wo ist das Milchpulver?“

Keine Antwort.

„Irina?“

„Im Schrank neben dem Kühlschrank“, sagte sie schließlich.

Er fand die Dose, nahm sie heraus und blieb damit in der Hand stehen.

„Wie viele Messlöffel?“

Irina legte sich die Hand an die Stirn.

„Das steht auf der Packung.“

„Ich weiß, dass es da steht. Aber sag es mir doch einfach. Das Kind schreit.“

In diesem Moment sah ich, wie Irina den Blick hob.

„Genau.“

„Was heißt genau?“

„Er schreit, und du musst herausfinden, was zu tun ist.“

Răzvan wurde rot.

„Ich komme direkt von der Arbeit, und anstatt mir zu erklären, was passiert ist, macht ihr mir hier beide Vorwürfe.“

Ich trat näher.

„Irina macht heute nichts mehr.“

„Wie meinst du das?“

„Genau so, wie ich es gesagt habe.“

Irina wollte widersprechen.

„Mama Elena, die Kinder …“

„Die Kinder haben einen Vater.“

Răzvan knallte die Dose auf die Arbeitsplatte.

„Na schön! Dann kümmere ich mich eben darum. So schwierig kann das ja wohl nicht sein.“

Wahrscheinlich war das das Beste, was er in diesem Augenblick sagen konnte.

Denn in den folgenden Stunden brauchte er keine weiteren Erklärungen.

Darius wollte die Flasche nicht, weil das Wasser zu warm war.

Während Răzvan versuchte, ihn zu beruhigen, verschüttete Maria ein Glas Wasser.

Als er sich bückte, um es aufzuwischen, fing Darius wieder an zu weinen.

„Warum schreit er denn jetzt schon wieder?“

Irina lag ausgestreckt da und antwortete nicht.

„Ich glaube, seine Windel muss gewechselt werden“, sagte ich.

Răzvan trug ihn ins Schlafzimmer.

Zwei Minuten später rief er:

„Irina! Wo sind die Windeln?“

Ich ging zu ihm.

„Hör auf, ständig nach ihr zu rufen.“

„Mama, ich weiß doch überhaupt nicht, wo sie die Sachen aufbewahrt!“

„Genau das versuche ich dir seit zwei Stunden klarzumachen.“

Er fand die Windeln.

Dann fehlten die Feuchttücher.

Danach wollte Maria etwas essen.

„Es gibt Suppe“, sagte ich.

Răzvan ging zum Herd und sah in den Topf.

„Stand die auf dem Herd, als sie ohnmächtig geworden ist?“

„Ja.“

Ein paar Sekunden lang stand er regungslos da.

Ich glaube, in diesem Moment begann er zu begreifen, dass all die Dinge, die er als „ein paar Handgriffe“ abtat, gleichzeitig weiterliefen. Ganz gleich, ob der Mensch, der sich darum kümmerte, noch konnte oder nicht.

Aber er war noch nicht bereit, es zuzugeben.

Am Abend zog er mich beiseite.

„Mama, das ist nicht fair von dir.“

„Was denn?“

„Du bringst sie gegen mich auf.“

Da musste ich lachen.

„Răzvan, deine Frau ist auf dem Boden zusammengebrochen, bevor ich überhaupt hier angekommen bin. Sie hat mich nicht gebraucht, um einen Grund zu haben, wütend auf dich zu sein.“

„Ich arbeite zehn Stunden am Tag.“

„Und wie viele Stunden arbeitet sie?“

„Vergleich meinen Beruf bitte nicht damit, zu Hause herumzusitzen.“

Ich spürte, wie mir wieder das Blut in den Kopf schoss.

Doch diesmal hielt ich ihm keine Predigt.

„Gut.“

„Was soll das heißen?“

„Morgen nehme ich Irina mit zu mir.“

Er starrte mich an.

„Wie bitte? Du nimmst sie mit?“

„Für zwei Tage. Damit sie schlafen, in Ruhe essen und wieder zu Kräften kommen kann.“

„Und die Kinder?“

„Die bleiben hier.“

Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.

„Mama …“

„Was?“

„Darius wird nachts wach.“

„Ich weiß.“

„Und Maria muss morgens weggebracht werden.“

„Das weiß ich auch.“

„Ich muss zur Arbeit.“

Ich sah ihm direkt in die Augen.

„Vor fünf Minuten hast du mir noch erklärt, dass Irina bloß zu Hause herumsitzt. Dann dürfte es doch nicht so schwer sein.“

Er schwieg.

Am nächsten Tag ließ Irina sich nur widerwillig dazu überreden, mit zu mir zu kommen.

Răzvan war alles andere als begeistert.

Aber er konnte auch nicht mehr behaupten, dass er es allein nicht schaffen würde. Damit hätte er genau das zugegeben, was er die ganze Zeit bestritten hatte.

In der ersten Nacht rief er mich um 1:20 Uhr an.

Ich ging nicht ran.

Um 2:05 Uhr versuchte er es bei Irina.

Ihr Handy war lautlos gestellt.

Am Morgen hatte sie neun verpasste Anrufe.

Um halb acht kam eine Nachricht:

„Wo ist Marias weißes Oberteil?“

Irina begann zu tippen.

Ich nahm ihr das Handy behutsam aus der Hand.

„Lass ihn.“

„Aber sonst kommt die Kleine zu spät.“

„Dann zieht er ihr eben etwas anderes an.“

Am zweiten Abend rief er nicht mehr an.

Als wir nach zwei Tagen zurückkamen, öffnete Răzvan die Tür mit Darius auf dem Arm.

Sein T-Shirt war voller Flecken. Auf dem Tisch standen zwei Tassen, dazwischen lagen Spielsachen und eine Schüssel mit angetrockneten Müsliresten am Rand. Maria schaute Zeichentrickfilme.

Es war keine Katastrophe.

Nur ein Zuhause, in dem ein Mensch versuchte, zu viele Dinge allein zu bewältigen.

Răzvan sah Irina an.

Er sagte nicht, dass er jetzt alles verstanden hätte.

Er entschuldigte sich auch nicht sofort.

Er fragte nur:

„Hast du geschlafen?“

Irina nickte.

„Ja.“

„Gut.“

Mehr sagte er nicht.

Doch am selben Abend, als die Kinder eingeschlafen waren, hörte ich seine Stimme aus der Küche.

„Ich wusste nicht, dass Darius viermal in der Nacht aufwacht.“

Irina antwortete nicht.

„Ich wusste auch nicht, dass man zwanzig Minuten auf Maria einreden muss, bis sie sich anzieht.“

Wieder Stille.

„Und ich wusste nicht, dass der eine anfängt, sobald der andere eingeschlafen ist.“

Schließlich sagte Irina:

„Weil du geschlafen hast.“

Das traf ihn. Aber Răzvan widersprach nicht.

Am nächsten Morgen stand er auf, als Darius zum ersten Mal weinte.

Er veränderte sich nicht über Nacht.

Die erste Woche war schwierig. Er wurde ungeduldig. Vergaß Dinge. Sagte immer wieder: „Sag mir einfach, was ich machen soll.“

Und Irina antwortete, dass sie nicht länger die gesamte Organisation des Haushalts übernehmen wollte.

Es gab auch einen heftigen Streit, als er erneut behauptete, sein Alltag sei anstrengender, weil er den größten Teil des Geldes verdiente.

Diesmal gab Irina nicht nach.

„Dann bezahl jemanden für alles, was ich hier erledige. Kinderbetreuung, Putzen, Kochen, Einkaufen. Und wenn du gesehen hast, was das kostet, kannst du mir noch einmal erzählen, dass ich nicht arbeite.“

Danach sagte er es nicht mehr.

Nach und nach übernahm Răzvan die Abende mit den Kindern und die Einkäufe. Morgens machte er Maria fertig. Am Wochenende wartete er nicht mehr darauf, dass ihm jemand Anweisungen gab.

Eines Samstags ging Irina für drei Stunden mit ihrer Schwester aus.

Als sie zurückkam, saß Răzvan mit Darius auf dem Arm auf dem Boden. Maria verlangte nach Saft, und in der Küche herrschte das ganz gewöhnliche Chaos des Familienalltags.

Er sah seine Frau an und fragte:

„Wie hast du das jeden Tag geschafft?“

Irina stellte ihre Tasche ab.

„Ich habe es nicht geschafft. Ich habe mich bei dem Versuch völlig aufgerieben.“

Diesmal fiel meinem Sohn keine Antwort mehr ein.

Ein paar Wochen später rief er mich an.

„Mama, ich glaube, ich habe etwas verstanden.“

„Was denn?“

Er schwieg einen Moment.

„Ich dachte, ich wäre ein guter Ehemann, weil ich arbeiten ging und danach nach Hause kam. Aber zu Hause habe ich mich wie ein Gast benommen.“

Ich lobte ihn nicht.

Er war der Vater seiner Kinder. Dass er Verantwortung übernahm, war nichts Außergewöhnliches.

Aber ich war froh, dass er es begriffen hatte, bevor Irina an den Punkt kam, an dem sie nichts mehr geben konnte.

Vielleicht vergessen wir genau das manchmal, wenn wir behaupten, Frauen hätten heutzutage doch „alle Möglichkeiten“, schließlich wasche die Maschine die Wäsche und der Staubsauger mache die Wohnung sauber.

Die Waschmaschine bemerkt nicht, dass die Windeln ausgegangen sind.

Der Staubsauger beruhigt kein weinendes Kind.

Der Herd entscheidet nicht, was die Familie zu essen bekommt.

Und kein Gerät der Welt ersetzt den Menschen, der an all diese Dinge denken, sie im Blick behalten und erledigen muss. Jeden einzelnen Tag.

Irina brauchte keinen Răzvan, der ihr gelegentlich „half“.

Sie brauchte einen Mann, der verstand, dass es auch sein Zuhause war.

Und vor allem, dass es auch seine Kinder waren.

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