Der schwere Winterstiefel flog nur einen Hauch an meinem Ohr vorbei und krachte mit dumpfem Schlag gegen die Garderobe.
Der Mantel, der dort hing, sackte schwer zu Boden, als hätte man ihn mit Absicht heruntergerissen.
— Bist du taub? — Oleg stand im Durchgang zum Wohnzimmer und riss sich die oberste Hemdknopfleiste auf.
Sein Gesicht war fleckig vor Alkoholhitze, an seinem Hals pochte eine Ader. — Ich habe gesagt: Verschwinde! In fünf Minuten will ich dich hier nicht mehr sehen!
Ich stand da, die Salatschüssel an meine Brust gedrückt, unfähig, sie auf den Tisch zu stellen.
Meine Hände zitterten so sehr, dass das Glas leise klirrte. Aus dem Wohnzimmer dröhnten Musik und das gröhlende Lachen der Gäste, die längst zu tief ins Glas geschaut hatten.
Zwischen ihnen erschien Nadeschda Wassiljewna in der Tür.
Sie richtete ihre schwere Brosche und verzog die Lippen zu einem süßlichen Lächeln, das mir immer Übelkeit bereitete.
— Ksenja, hab doch etwas Anstand, — säuselte sie. — Mein Sohn wird dreißig!
Hier sind angesehene Leute, und du läufst herum wie ein Regenwölkchen. Du verdirbst allen den Appetit. Lass ihn feiern. Geh… ein wenig spazieren.
— Spazieren? — Meine Stimme zerbrach. — Draußen sind minus zwanzig. Es ist Nacht. Wohin soll ich gehen?
— Das ist mir egal! — brüllte Oleg und kam näher. Er roch nach starkem Alkohol und dem schweren Parfum, das seine Mutter ihm geschenkt hatte.
— Geh zu deinem Papa. Zum Bahnhof. In den Keller! Ich wollte einen ordentlichen Tisch, habe ich das nicht gesagt?
Und was hast du gemacht? Irgendwelches Grünzeug und mageren Fisch! Meine Freunde lachen schon — sagen, meine Frau setzt mich auf Diät!
Er riss mir die Schüssel aus den Händen. Ich griff instinktiv danach, aber sie glitt mir durch die Finger.
Kristall splitterte auf dem Boden, Rucola und Garnelen verteilten sich zwischen den Scherben.
— So! — Er stieß mit der Schuhspitze gegen ein Stück Glas. — Das ist mein Haus!
Ich bin hier der Herr! Und ich entscheide, wer bleibt und wer verschwindet! Schlüssel auf die Kommode!

Drei Jahre. Drei Jahre hatte ich geglaubt, wir seien eine Familie. Dass seine Wutausbrüche nur Stress seien.
Dass die „kurzen“ Besuche seiner Mutter irgendwann aufhören würden.
Heute Morgen hatte ich ihm die letzten vierzigtausend Rubel überwiesen — Geld, das ich für einen Arzttermin gespart hatte.
„Wir müssen Eindruck machen“, hatte er gesagt. „Larissa kommt.“
Larissa. Seine Schulschönheit. Sie saß jetzt im roten Kleid im Wohnzimmer und hörte wahrscheinlich jedes Wort.
Langsam nahm ich meinen Daunenmantel vom Haken. Er war kalt — durch die schlecht abgedichtete Tür zog es eisig herein.
— Gut, — sagte ich leise. — Ich gehe.
— Und wag es nicht, Essen mitzunehmen! — rief seine Mutter. — Das ist vom Geld meines Sohnes!
Ich zog meine Stiefel an, vergaß die Mütze im Schrank. Die Tür fiel hinter mir ins Schloss. Zwei Umdrehungen. Wie ein Urteil.
Der Schneesturm peitschte mir ins Gesicht. Ich setzte mich auf die verschneite Bank vor dem Haus.
Es gab keinen Ort, wohin ich gehen konnte. Meine Eltern wohnten vierzig Kilometer entfernt. Kein Bus fuhr mehr. Taxi? Unerschwinglich.
Mit klammen Fingern wählte ich „Papa“.
— Ja, Ksenja? — Seine Stimme war ruhig, aber angespannt.
— Papa… er hat mich rausgeworfen.
Stille. Schwer wie vor einem Gewitter.
— Wo bist du?
— Vor dem Haus.
— Geh in die Apotheke um die Ecke. Warte dort. Ich komme.
Vierzig Minuten später hielt sein schwarzer Geländewagen vor dem Eingang.
Mein Vater trat ein, schüttelte den Schnee von seinem alten Schaffellmantel und sah mich an. Sein Kiefer spannte sich.
— Aufstehen, Tochter.
— Papa, fahren wir einfach…
— Nein. Wir gehen nach Hause. In dein Zuhause.
Er schloss mit seinem Schlüssel auf. Die Musik übertönte das Geräusch. Im Wohnzimmer tanzte Oleg eng mit Larissa.
Seine Mutter thronte am Tisch und aß von der Torte, die ich bis zwei Uhr morgens gebacken hatte.
— Sie ist zurück! — lallte Oleg. — Ich hab sie rausgeworfen! Mein Haus!
Die Musik verstummte.
Mein Vater trat in die Mitte des Raumes.
— „Ich habe sie rausgeworfen“, sagst du? — Seine Stimme war leise, doch der Raum erstarrte.
Er öffnete eine Mappe.
— Vor drei Jahren habe ich gesagt: Ihr dürft hier wohnen, solange ihr Familie seid. Ich habe euch in meine Wohnung gelassen.
Er hielt das Eigentumszertifikat hoch. Sein Name stand darauf.
Olegs Gesicht verlor jede Farbe.
— Du sprichst von deinem Haus? — fuhr mein Vater fort. — Jeden Monat hat meine Tochter vierzig- bis fünfzigtausend überwiesen.
Und hier sind deine Kredite. Handy. Auto. Reise für Mama.
Die Gäste verschwanden lautlos.
— Die Polizei ist unterwegs, — sagte mein Vater ruhig. — Eure Registrierung ist abgelaufen.
Oleg fiel auf die Knie, mitten in den Salat.
— Verzeih! Ich liebe sie!
Ich sah auf ihn hinab. Und fühlte nichts. Nur Ekel.
— Du hast mich in einen Schneesturm geschickt. Du hattest recht in einem Punkt: Ich bin dir niemand.
Zehn Minuten später standen er und seine Mutter mit Taschen vor der Tür.
— Ihr werdet es bereuen! — zischte sie.
— Raus, — sagte mein Vater ruhig.
Ein halbes Jahr später.
Die Fenster standen offen, Augustwind wehte herein. Es roch nach frischen Croissants — ich hatte Backen gelernt.
Ich hatte neu gestrichen, Möbel entsorgt, die Scheidung eingereicht.
Oleg verlor den Prozess. Seine Geliebte verließ ihn. Er verlor seinen Job.
Es klingelte.
Vor der Tür stand mein neuer Nachbar, Sawelij, mit Werkzeugkiste.
— Dein Wasserhahn tropft, oder? — lächelte er.
Er zog die Schuhe ordentlich aus, machte sich wortlos an die Arbeit.
Am Abend kam eine Nachricht von unbekannter Nummer:
„Ksenja, lass uns neu anfangen. Ich habe Mama aufs Dorf geschickt. Ich habe mich geändert.“
Ich lächelte und blockierte die Nummer.
Dann ging ich in die Küche zurück. Sawelij trank Tee und erzählte lachend von seinem Kater.
— Noch etwas? — fragte ich.
— Gern. Sehr lecker. Du bist großartig, Ksenja.
Zum ersten Mal seit Jahren war dieses Haus erfüllt von Wärme — nicht von Angst.
Und das war mehr wert als jede perfekte Feier vor fremden Gästen.



