Ich gehe oft im Wald spazieren – mindestens zweimal pro Woche wandere ich die vertrauten Pfade entlang, nicht weit von meinem Zuhause entfernt.
Im Laufe der Jahre habe ich dort viele seltsame Dinge gesehen: weggeworfene Kleidung, kaputte Fahrräder, merkwürdige Gebilde aus Ästen. Aber nichts hätte mich auf das vorbereiten können, was ich neulich entdeckt habe.
Es war ein ganz gewöhnlicher Morgen. Die Sonne kämpfte sich gerade erst durch die Blätter, und die Luft war frisch und klar.

Ich schlenderte ruhig über den Waldweg, in Gedanken versunken, als plötzlich eine grelle Farbe auf dem Waldboden meine Aufmerksamkeit auf sich zog.
Auf den ersten Blick sah es aus wie ein Haufen Pilze oder verstreute Tennisbälle – Dutzende gelber Kugeln lagen verstreut zwischen braunen Blättern und grünem Moos.
Neugierig ging ich näher heran, dachte erst, es sei vielleicht Müll, den rücksichtslose Ausflügler oder spielende Kinder dort hinterlassen hatten.
Doch als ich direkt davorstand, stockte mir der Atem.
Es waren keine Bälle. Keine Pilze. Es waren lebendige Wesen.
Am Boden lagen Dutzende winziger Küken – frisch geschlüpft, noch mit feinem Flaum bedeckt, einige noch feucht vom Schlüpfen.
Ein paar versuchten ihre Köpfchen zu heben, andere piepsten leise, auf der Suche nach Wärme. Sie drängten sich eng aneinander, als wollten sie sich gegenseitig vor der Kälte schützen.
Sofort wurde mir klar – jemand hatte sie absichtlich dort ausgesetzt. Kaltblütig und grausam. Jemand hatte beschlossen, sie in den Wald zu bringen und sie dort ihrem Schicksal zu überlassen.
Ich war wie gelähmt vor Entsetzen. Ich kann bis heute nicht begreifen, wie man so etwas wehrlosen Tieren antun kann.
Ohne zu zögern griff ich zum Handy und rief die Polizei. Danach kontaktierte ich ein nahegelegenes Tierheim, versuchte ruhig zu bleiben und die Lage zu schildern.
Zum Glück ging alles sehr schnell. Nach etwa dreißig Minuten trafen Helfer einer Tierschutzorganisation ein.
Auch sie waren schockiert. Sie sammelten die Küken ein und brachten sie in Sicherheit. Sofort wurde mit der Rettungsaktion begonnen.
Die meisten Küken konnten gerettet werden. Sie waren unterkühlt, dehydriert – aber sie lebten. Mit Hilfe von Tierärzten und Freiwilligen begannen sie sich zu erholen.

Leider haben es einige nicht geschafft – ihre winzigen Körper waren zu schwach, um der Kälte und dem Stress standzuhalten.
Bis heute weiß ich nicht, wer für diese grausame Tat verantwortlich war. Ob die Person gefunden oder bestraft wurde, bleibt ungewiss. Aber eines weiß ich sicher: Kein Tier verdient einen solchen Tod.
Und jeder, der zu so etwas fähig ist, sollte zur Rechenschaft gezogen werden.
Seit diesem Tag schaue ich noch genauer auf den Boden, wenn ich durch den Wald gehe. Denn manchmal verbirgt sich hinter etwas scheinbar Unscheinbarem eine Geschichte, die man nie wieder vergisst.







