Meine Schwiegermutter reichte mir die Hacke. Ich holte einen Liegestuhl aus dem Kofferraum und sagte ihr einfach…

**Teil 2 – Die Fortsetzung**

**Dieses Jahr werde ich keine Hacke mehr in die Hand nehmen.**

Meine Schwiegermutter blieb einige Augenblicke sprachlos stehen.

Dann fasste sie sich wieder.

— Was soll das heißen, du arbeitest nicht? Dieser Garten gehört doch der Familie!

Ich lächelte ruhig.

— Genau.
Der Familie.

Dann soll auch die ganze Familie darin arbeiten.

Adrian machte einen Schritt auf mich zu.

— Komm schon, fang nicht wieder damit an. Wenn wir alle mithelfen, sind wir schnell fertig.

Ich schüttelte den Kopf.

— Letzten Sommer waren wir nicht „alle“.

Ich habe umgegraben.

Ich habe Unkraut entfernt.
Ich habe gegossen.

Ich habe Wasser geschleppt.
Ich habe Ajvar, eingelegtes Gemüse, Kompotte und Marmeladen gemacht.

Und als der Winter kam…

…habe ich nicht einmal ein einziges Glas davon bekommen.

Meine Schwiegermutter verschränkte die Arme.

— Willst du immer noch darauf herumreiten?

Alina hat ein Kind großzuziehen.
Sie brauchte die Sachen.

Ich sah ihr direkt in die Augen.

— Dann kann Alina dieses Jahr auch eine Hacke brauchen.

Genau in diesem Moment kam meine Schwägerin durch das Gartentor.

Eine Kaffeetasse in der einen Hand.

Ihr Handy in der anderen.

— Hallo! Was macht ihr denn?

Meine Schwiegermutter drehte sich sofort zu ihr um.

— Alina, sag du ihr auch etwas. Sie will nicht mehr arbeiten.

Alina lachte.

— Aber… wer macht denn dieses Jahr die Konserven?

Ich stand langsam von meinem Liegestuhl auf.

Ich schloss mein Buch.

Und antwortete ganz ruhig:

— Die Person, die sie auch essen wird.

Ihr Lächeln verschwand sofort.

Im Hof wurde es still.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren hatte niemand mehr jemanden, dem er Befehle geben konnte.

Ich setzte mich wieder auf meinen Liegestuhl.

Setzte meine Sonnenbrille auf.

Und las weiter.

Keine Stunde später stellte Adrian seine Hacke an den Zaun.

Er war völlig verschwitzt.

— Ich kann nicht mehr…

Alina klagte über Rückenschmerzen.

Meine Schwiegermutter murmelte, dass die Erde viel zu hart sei.

Ich schloss mein Buch und ging zu ihnen.

— Genau das habe ich jedes Wochenende gemacht.

Nur hat mich damals niemand gefragt, ob ich müde bin.

Ich faltete meinen Liegestuhl zusammen.

Legte ihn in den Kofferraum.

Und fuhr nach Hause.

In diesem Jahr legte ich meinen eigenen Garten in unserem Hof an.

Er war nicht groß.

Aber er war groß genug für mich.

Ich pflanzte Tomaten.

Paprika.

Gurken.

Ich machte einige Dutzend Gläser mit Ajvar und eingelegtem Gemüse.

Ich stellte sie ordentlich in die Speisekammer.

Und zum ersten Mal wusste ich, dass sie dort bleiben würden, wo sie hingehörten.

Bei mir.

Im Dezember kam Adrian in die Küche.

Er wirkte verlegen.

— Meine Mutter fragt, ob du noch ein paar Gläser Ajvar übrig hast…

Ich sah ihn einige Sekunden lang an.

Dann gab ich ihm ein Blatt Papier, auf dem ich die Namen von drei nahegelegenen Supermärkten notiert hatte.

— Ich habe nichts mehr zum Verteilen.

Aber ich bin sicher, dass sie dort etwas findet.

Schließlich hat sie mir letztes Jahr gesagt, dass Geschäfte für diejenigen da sind, die es sich leisten können.

Adrian senkte den Blick.

Er sagte nichts mehr.

Ab dem nächsten Frühjahr rief mich niemand mehr in den Garten mit der Erwartung, dass es meine „Pflicht“ sei.

Sie hatten endlich verstanden, dass Arbeit nicht weniger wert ist, nur weil sie aus Liebe getan wird.

Und ich hatte etwas noch Wichtigeres verstanden:

In dem Moment, in dem du aufhörst, es allen anderen recht machen zu wollen – auf Kosten deiner eigenen Würde – beginnst du endlich, für dich selbst zu leben.

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