— Ich gehe! Damit du endlich begreifst, wen du verlierst! — pathetisch schleuderte Vitalik ein Bündel Socken in seine Sporttasche und verfehlte dabei nur knapp meine Lieblingsvase im Regal.
— Leb eine Woche allein! Heul den Mond an ohne einen Mann im Haus! Vielleicht lernst du dann, Fürsorge zu schätzen!
Ich lehnte schweigend am Türrahmen und beobachtete dieses Theaterstück. In mir kochte eine seltsame Mischung aus verletztem Stolz und hysterischem Gelächter.
Mein Mann — ein dreißigjähriger „Junge“ — stand mitten in meiner Einzimmerwohnung, die ich lange vor unserer Ehe gekauft hatte, und drohte mir ernsthaft mit seinem Verschwinden.
Offenbar glaubte er, ohne seine kostbare Anwesenheit würden die Wände einstürzen und ich vertrocknen wie eine vergessene Geranie.
Wie so oft hatte alles mit dem sonntäglichen Besuch bei Wera Timurowna begonnen.
Meine Schwiegermutter war eine Frau von besonderer Art: Sie konnte Komplimente machen, nach denen man sich sofort erhängen wollte, und Ratschläge erteilen im Tonfall eines Generals,
der einen Rekruten wegen schmutziger Stiefel zusammenfaltet.
Vitalik kam von Mama „aufgeladen“ zurück. Man sah es sofort: zusammengepresste Lippen, ein prüfender Blick, geblähte Nasenflügel — stets auf der Suche nach Staub.
— Anja, warum hängen die Handtücher im Bad schon wieder nicht nach Farben?
— begann er, ohne sich die Schuhe auszuziehen. — Mama sagt, das erzeugt visuellen Lärm und zerstört die Harmonie des Chi im Haus.
Ich atmete tief durch.
— Vitalik, deine Mutter hat Chi-Harmonie nur in einer Fernsehsendung der Neunziger gesehen.
Die Handtücher hängen so, dass man sich bequem die Hände abtrocknen kann, — antwortete ich ruhig und rührte den Eintopf auf dem Herd.
Er verzog das Gesicht, kam in die Küche und tippte mit dem Finger gegen den Topfdeckel.
— Schon wieder Gemüse in Stücken? Mama sagt, eine richtige Ehefrau muss alles pürieren.
So wird es vom männlichen Organismus besser aufgenommen. Du bist einfach faul.
Ich legte den Löffel beiseite.
— Vitalik, deine Mutter hat keine Zähne mehr, weil sie lieber einen dritten Porzellanservice gekauft hat, statt zum Zahnarzt zu gehen. Du hast Zähne. Kau.
Er lief rot an, holte tief Luft, bereit für die nächste Portion mütterlicher Weisheit, stockte jedoch.

— Du bist undankbar! Mama ist übrigens Kandidatin der Haushaltswissenschaften!
— Vitalik, deine Mutter war ihr ganzes Leben Pförtnerin im Wohnheim.
„Kandidatin“ nennt sie sich nur, weil ihr das Wort gefällt, — entgegnete ich mit einem eisigen Lächeln.
Er stand da mit offenem Mund, das Gehirn drehte leer.
Dann winkte er ab, als wolle er eine lästige Fliege vertreiben. In diesem Moment sah er aus wie ein verlorener Pinguin.
Genau da beschloss er, mich zu „erziehen“.
— Es reicht! — verkündete er feierlich und schloss die Tasche. — Ich fahre zu Mama. Für eine Woche.
Denk über dein Verhalten nach. Wenn ich zurückkomme, erwarte ich perfekte Ordnung und schriftliche Entschuldigungen.
Die Tür knallte zu.
Stille.
Eine merkwürdige Leere breitete sich aus — und zugleich Erleichterung. Er war gegangen, um mich zu bestrafen, indem er mir Ruhe und Komfort hinterließ.
Ein genialer Plan.
Doch das Schicksal hatte andere Ideen.
Am Montagmorgen rief mich mein Chef zu sich.
— Anna Sergejewna, das Projekt in der Filiale brennt. Wladiwostok. Abflug morgen. Drei Monate.
Spesen doppelt, plus eine Prämie, die für ein neues Auto reicht. Sie sind unsere letzte Hoffnung.
Ich spürte, wie mir innerlich Flügel wuchsen. Drei Monate ohne Vitalik. Ohne Anrufe von Wera Timurowna.
Am Ozean, wenn auch an einem kalten. Und mit ausgezeichnetem Gehalt.
— Ich fliege, — sagte ich sofort.
Draußen dachte ich nach: Drei Monate leerstehende Wohnung. Nebenkosten sind kein Witz. Genau da rief meine Freundin Lenka an.
— Anja, Katastrophe! Meine Schwester ist mit Mann und drei Kindern aus dem Süden gekommen.
Renovierung, keine Wohnung, Hotel zu teuer. Laut sind sie — aber sie zahlen gut und sofort.
In meinem Kopf klickte etwas.
— Lass sie einziehen. Morgen. Schlüssel bei der Concierge. Nur eine Bedingung: Wenn ein Mann auftaucht und Stress macht — rauswerfen.
Am selben Abend packte ich meine Sachen, brachte alles Wertvolle zu meiner Mutter und bereitete die Wohnung zur Vermietung vor.
Vitalik ging nicht ans Telefon — er „erziehte“ mich. Natürlich.
Am nächsten Morgen flog ich los. In meine Wohnung zog die fröhliche Familie Gasparjan ein:
Papa Armen, Mama Susanna, drei Kinder wie aus einer Dauerwerbung für Chaos — und ein riesiger, gutmütiger, aber ohrenbetäubend lauter Labrador namens Baron.
Eine Woche verging.
Vitalik hielt sieben Tage Paradies bei Mama durch. Sehr schnell stellte sich heraus, dass Wera Timurowna nur auf Distanz erträglich war.
Im Alltag jedoch war ihre Liebe erdrückend wie eine Schlinge.
— Vitashenka, schmatz nicht.
— Warum spülst du zweimal? Der Zähler läuft.
— Sohn, du sitzt falsch. Der Rücken wird krumm.
Nach einer Woche war Vitalik innerlich gebrochen. Er entschied, ich sei genug bestraft. Zeit, triumphierend heimzukehren.
Mit drei welken Nelken kam er zurück.
Der Schlüssel drehte sich nicht.
Er klingelte.
Hinter der Tür trampelte etwas wie eine Büffelherde. Dann ertönte ein Bellen, das die Tür erzittern ließ.
— Wer ist da? — dröhnte eine tiefe Männerstimme mit Akzent.
— Ich… Vitalik. Der Ehemann.
Die Tür flog auf. Armen stand da — breit wie der Türrahmen, im Unterhemd, mit einem Schaschlikspieß in der Hand. Neben ihm Baron, sabbernd.
— Welcher Ehemann? Anja ist weg. Wir wohnen hier. Vertrag da, Miete bezahlt. Und du — wer bist du?
— Ich bin der Hausherr! Das ist meine Wohnung! Na ja… meiner Frau!
— Hör zu, Bruder, — sagte Armen freundlich und klopfte ihm mit dem Spieß auf die Schulter.
— Anja sagte: kein Mann. Mann lebt bei Mama. Wohnung frei. Geh zu Mama. Nicht stören. Susanna, bring Adschika.
Die Tür schloss sich.
Mein Telefon klingelte keine Minute später. Ich saß in einem Restaurant mit Blick auf das Goldene Horn, aß Jakobsmuscheln und trank Weißwein.
— Was hast du getan?! — schrie Vitalik. — Wer sind diese Leute?! Warum lassen sie mich nicht rein?!
— Nicht schreien. Du bist gegangen. Ich habe verstanden. Allein leben ist teuer. Ich habe vermietet. Drei Monate.
— Drei Monate?! Wo soll ich leben?!
— Bei Mama. Da ist doch Harmonie.
Ich legte auf.
Drei Monate später kehrte ich zurück. Mit neuem Haarschnitt, Geld und absoluter Klarheit.
Die Wohnung war blitzsauber. Sogar der tropfende Wasserhahn war repariert.
Zwei Stunden später stand Vitalik vor der Tür. Abgemagert, grau, zerknittert.
— Anja… lass uns neu anfangen…
Ich stellte den Koffer in den Weg.
— Es gibt nichts neu anzufangen. Du wolltest, dass ich einen Mann im Haus schätze? Armen hat den Hahn in dreißig Minuten repariert. Du hast ein Jahr gejammert.
— Aber ich bin dein Mann!
— Warst ein Mann. Wurdest Ballast.
Ich schloss die Tür.
Der Klick des Schlosses klang wie ein Startschuss für mein neues Leben.



