Mein Mann und ich haben 22 Jahre damit verbracht, unser Traumhaus zu bauen – dann hat er es auf den Namen meines Mannes überschrieben!

Mein sechsjähriger Sohn Milo ist in letzter Zeit besessen vom Zeichnen — Dinosaurier mit riesigen Krallen, Roboterschlachten, Drachen mit großen, runden Augen.

Seine kleinen Hände sind ständig von Buntstiftwachs oder Filzstiftflecken bedeckt, und überall im Haus liegen bunte Kritzelblätter herum.

Eines Morgens, während ich aufräumte, fand ich einen gefalteten Zettel in seiner Jackentasche. Darauf war ein Mann von hinten zu sehen, der vor einem Polizeiauto zu stehen schien.

Daneben stand eine andere Figur mit einem kleinen Notizbuch in der Hand. Unten stand in kindlicher Schrift: „Für den Polizisten.“

Neugierig fragte ich Milo, was das sei. Er schaute mich halb stolz, halb verlegen an und erzählte, er habe am Tag zuvor einen traurigen Polizisten vor unserem Haus gesehen. Er wollte ihm eine Freude machen.

Ich fragte, was er mit dem Bild vorhabe.

„Ich wollte es ihm geben, aber ich hatte Angst, dass er es doof findet…“

Dieser Moment rührte mich sehr. In einer Welt, in der Erwachsene oft die Gefühle anderer übersehen, hatte ein kleiner Junge die Traurigkeit eines Fremden bemerkt und wollte helfen — nicht mit großen Worten oder Gesten, sondern einfach mit einem Bild.

Später am Tag gingen wir zusammen nach unten. Wir fanden den Polizisten, genau den vom Vortag. Milo ging schüchtern auf ihn zu und reichte ihm das Bild, ohne ein Wort zu sagen.

Der Polizist sah es sich an, dann Milo, dann wieder das Bild — und er lächelte. Ein echtes Lächeln, das von tief innen zu kommen schien, als hätte er es lange vergessen.

An diesem Tag wurde mir klar: Mitgefühl braucht kein Erwachsensein, nur ein offenes Herz.

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