Nachdem ich mein Kind verloren hatte, verließ ich die Klinik und nahm noch am selben Abend den ersten Flug nach Cluj, ohne nach Hause zurückzukehren. Als ich bereits im Flugzeug saß, überwies mir mein Mann 12 Lei und schrieb: „Für das Taxi. Betrachte es als Entschädigung für die Unannehmlichkeiten.“

**Teil 2 – Fortsetzung der Geschichte**

„Wenn du heute Abend nicht nach Hause kommst, stelle ich morgen endgültig alle Zahlungen für Lucia ein.“

Ich beendete das Gespräch.

Am nächsten Morgen fuhr Alexandru ins Krankenhaus.

Nicht, weil er plötzlich begriffen hatte, was er getan hatte. Sondern weil ich auf seine Nachrichten nicht mehr reagierte und er herausfinden wollte, ob ich die Wahrheit gesagt hatte.

Auf der Station, auf der Lucia behandelt worden war, bestätigte ihm eine Krankenschwester, dass sie gestorben war.

Alexandru stand einige Sekunden schweigend vor dem leeren Bett. Dann verlangte er, mit jemandem aus der Verwaltung zu sprechen. Er wollte wissen, warum niemand ihn informiert hatte.

Doch die Antwort fiel anders aus, als er erwartet hatte.

Das Krankenhaus hatte drei Anfragen zur Genehmigung der Behandlungskosten geschickt. Alle waren im System registriert.

Die erste war am Nachmittag verschickt worden. Die zweite war als dringend gekennzeichnet. In der dritten stand ausdrücklich, dass sich der Zustand der Patientin schnell verschlechterte.

Als die für finanzielle Angelegenheiten eingetragene Kontaktperson durfte Alexandru Kopien der Unterlagen anfordern.

Dann sah er die Uhrzeiten.

Die Anfragen waren eingegangen, noch bevor ich in der Firma aufgetaucht war.

Sofort rief er Patricia an.

„Komm in mein Büro.“

Als sie eintrat, legte er die Dokumente vor sie.

„Hast du das bekommen?“

Patricia betrachtete die Blätter.

„Ja.“

„Warum hast du mir nichts gesagt?“

„Ich habe es dir gesagt.“

Alexandru sah sie an.

„Nein.“

Patricia blieb ruhig.

„Doch.“

Sie nahm ihr Diensthandy heraus, öffnete ihre Nachrichten und legte es auf den Schreibtisch.

Alexandru las:

„Das Krankenhaus bittet dringend um die Genehmigung für Lucia. Daniela ist auf dem Weg hierher und sagt, die Lage sei ernst. Soll ich die Zahlung freigeben?“

Darunter stand seine Antwort:

„Nein. Die Sperre bleibt bestehen. Daniela muss verstehen, dass sie nicht bekommt, was sie will, indem sie hier einen Skandal macht.“

Später hatte Patricia erneut geschrieben:

„Das Krankenhaus hat sich wieder gemeldet. Der Zustand der Patientin verschlechtert sich.“

Alexandru hatte geantwortet:

„Ich habe Nein gesagt. Ich spreche nach meinen Besprechungen mit Daniela.“

Patricia hatte nichts verschwiegen.

Das System hatte nicht versagt.

Er war informiert worden.

Und er hatte Nein gesagt.

„Warum hast du mir gestern erzählt, die Situation hätte sich stabilisiert?“, fragte er.

Patricia verschränkte die Arme.

„Weil du mich nach Danielas Weggang gefragt hast, ob noch jemand angerufen hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir keine weitere Nachricht erhalten.“

„Das bedeutet nicht, dass sich ihr Zustand stabilisiert hatte.“

„Nein.“

„Du hast mich angelogen.“

Patricia sah ihn kühl an.

„Und du hast die Zahlung verweigert.“

Alexandru stand auf.

„Raus.“

„Willst du mich feuern, damit du anschließend behaupten kannst, ich sei schuld?“

„Raus aus meinem Büro.“

Patricia nahm ihr Handy. An der Tür blieb sie noch einmal stehen.

„Du kannst mich entlassen. Die Nachrichten bleiben trotzdem bestehen.“

Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss.

Alexandru blieb allein zurück.

Noch am selben Nachmittag erhielt sein Anwalt die Scheidungsunterlagen.

Doch es gab noch etwas anderes.

Den Zusatz zu unserem Ehevertrag.

Darin hatte Alexandru schriftlich zugesichert, während unserer Ehe für Lucias notwendige medizinische Kosten aufzukommen.

Sein Anwalt rief ihn an.

„Hast du die Anfrage schriftlich abgelehnt?“

„Es war nur eine vorübergehende Sperre.“

„Ich frage dich, ob es einen Beweis dafür gibt, dass du die Anfrage erhalten und abgelehnt hast.“

Alexandru schwieg.

„Gibt es ihn?“

„Ja.“

„Dann löschst du nichts. Und ab jetzt sprichst du mit Daniela nicht mehr direkt über diese Angelegenheit.“

„Sie ist meine Frau.“

„Sie ist deine Frau, die gerade die Scheidung eingereicht hat.“

Zum ersten Mal konnte Alexandru ein Problem nicht dadurch lösen, dass er jemandem einen Befehl erteilte.

In Cluj hatte ich fast vierzehn Stunden geschlafen.

Als ich aufwachte, war Mara in der Küche.

Auf meinem neuen Telefon waren nur wenige Nummern gespeichert. Eine davon gehörte meiner Anwältin Adriana Petrescu.

Noch am selben Nachmittag rief sie mich an.

„Daniela, Alexandru bestreitet unsere Auslegung des Zusatzes.“

„Natürlich.“

„Er behauptet, er habe Lucias Behandlung nicht verweigert. Er sagt, die Genehmigung sei lediglich vorübergehend ausgesetzt worden, um die Kosten zu überprüfen.“

Ich schloss die Augen.

Selbst jetzt versuchte er noch, alles hinter einer Formulierung zu verstecken.

„Haben wir seine Nachrichten?“

„Wir haben die Bestätigung, dass sie existieren, und ihre Sicherung beantragt. Außerdem haben wir die Aufzeichnungen über die Anfragen des Krankenhauses.“

„Dann machen wir weiter.“

Am Abend rief Alexandru mich von einer anderen Nummer an.

Ich nahm ab.

„Daniela, wir müssen miteinander reden, bevor die Anwälte daraus etwas machen, was es nicht ist.“

„Und was ist es?“

Er schwieg.

„Sag es mir.“

„Ich wollte eine Grenze setzen.“

„Das hast du.“

„Ich wusste nicht, dass Lucia sterben würde.“

„Du wusstest, dass die Ärzte sagten, ihr Zustand verschlechtere sich.“

„Patricia …“

„Nein.“

Ich unterbrach ihn.

„Benutz Patricia nicht als Ausrede. Ich habe die Nachrichten gesehen.“

Schweigen.

„Du wurdest informiert.“

„Ja.“

„Und du hast gesagt, die Zahlung dürfe nicht genehmigt werden.“

„Nur vorübergehend.“

„Lucia brauchte keine vorübergehende Hilfe.“

Seine Stimme veränderte sich.

„Wenn du behaupten willst, ich hätte ihren Tod verursacht, werde ich mich verteidigen.“

„Das werde nicht ich medizinisch beurteilen.“

„Was willst du dann?“

Zum ersten Mal klang seine Frage nicht wie das Angebot eines Mannes, der glaubte, jede Lösung kaufen zu können.

„Die Scheidung.“

„Wir können unsere Ehe retten.“

„Nein.“

„Daniela, du brauchst Zeit. Du hast die Schwangerschaft verloren, du hast Lucia verloren …“

„Du hast gerade selbst die Gründe aufgezählt, warum ich nicht zurückkomme.“

„Ich kann das ganze System ändern.“

„Dann ändere es.“

„Dann komm nach Hause.“

„Ich muss nicht dort sein, damit du ein besserer Mensch wirst.“

Er schwieg.

„Was soll ich tun?“

„Halte dich an das, was du unterschrieben hast. Und hör auf, meinen Weggang in eine Verhandlung zu verwandeln.“

Ich legte auf.

In den folgenden Wochen versuchte Alexandru über seine Anwälte zu argumentieren, die Sperre sei lediglich eine Verwaltungsmaßnahme gewesen und keine Weigerung, seiner Verpflichtung nachzukommen.

Doch seine eigenen Nachrichten waren zu eindeutig:

„Die Sperre bleibt bestehen.“

„Daniela muss verstehen.“

Er hatte keine Rechnung überprüft.

Er hatte versucht, mich mit dem Geld zu bestrafen, von dem die Versorgung meiner Schwester abhängig war.

Das veränderte die gesamte Verhandlung.

Es gab kein Urteil, das feststellte, Alexandru habe Lucias Tod verursacht. Auch ich behauptete nichts, was die Ärzte nicht beweisen konnten.

Doch die Verletzung seiner übernommenen finanziellen Verpflichtungen und die vorhandenen Dokumente ließen sich nicht länger hinter der Formulierung „Missverständnis zwischen Ehepartnern“ verstecken.

Schließlich hörte Alexandru auf, die Scheidung anzufechten.

Er akzeptierte die von unseren Anwälten ausgehandelte finanzielle Einigung.

Ich kehrte nicht zu ihm zurück.

Einige Monate später kam ich wieder nach Bukarest.

An dem Tag, an dem ich die letzten Dokumente unterschrieb, wartete Alexandru auf dem Flur auf mich.

Er war allein.

„Daniela.“

Ich blieb stehen.

„Ich möchte dir etwas sagen, ohne dich um irgendetwas zu bitten.“

Ich wartete.

„Ich habe die Nachrichten Dutzende Male gelesen.“

Ich antwortete nicht.

„Das Schlimmste ist, dass ich mich genau an den Moment erinnere, in dem ich geschrieben habe: ‚Die Sperre bleibt bestehen.‘ Ich war nicht beschäftigt. Ich war nicht verwirrt. Ich war wütend, weil du in die Firma gekommen warst.“

Zum ersten Mal versuchte er nicht, seine Tat kleiner erscheinen zu lassen.

„Ich weiß.“

„Wenn ich es ändern könnte …“

„Das kannst du nicht.“

Er nickte.

„Ich weiß.“

Ich ging zum Ausgang.

„Daniela?“

Ich drehte mich um.

„Was hast du mit den zwölf Lei gemacht?“

Ich sah ihn an.

„Sie sind auf dem Konto geblieben.“

Er hatte nichts mehr zu sagen.

Ich verließ das Gebäude und schloss die Tür hinter mir.

Die zwölf Lei blieben dort.

Alexandru war nicht mehr mein Ehemann.

Und ich kehrte nie wieder zurück.

(Visited 1 times, 1 visits today)