«Die Tochter, die er in Stille begrub»

„Vater“, beendete der Junge.

Der Garten verstummte.

Sogar das entfernte Geplapper der anderen Tische schien zu verschwinden.

Der alte Mann starrte mit zitternden Händen auf das Foto.

Es war ein Krankenhausbild einer jungen Frau, die schwach im Bett lag, ein sanftes Lächeln auf den Lippen, eine Hand ruhte auf der gleichen Holzflöte.

Die elegante Frau an seiner Seite blickte von dem Foto zu dem Jungen und spürte plötzlich eine unheimliche Unruhe.

Die Lippen des alten Mannes öffneten sich, doch kein Laut kam heraus.

Der Junge hielt das Foto fester.

„Mama sagte, wenn ich dich je finde“, flüsterte er, „soll ich das Lied spielen, das du ihr beigebracht hast.“

Der alte Mann schloss die Augen, als ob die Worte ihm weh taten.

Vor Jahren hatte seine Tochter sich in einen armen Musiker verliebt. Er hatte sie eine Schande genannt, den Kontakt abgebrochen und der Familie verboten, ihren Namen jemals wieder zu erwähnen.

Nun stand ihr Sohn barfuß neben seinem Tisch, hungrig, zitternd, flehend um Hilfe.

„Sie stirbt“, sagte der Junge, Tränen füllten seine Augen. „Sie sagte, ich soll dich nicht hassen.“

Ein leises Keuchen kam von der Frau in Schwarz.

Der alte Mann sah das geschnitzte Symbol auf der Flöte an.

Er hatte es selbst in den Flötenkörper geritzt, als seine Tochter zwölf war.

Seine Hand begann so zu zittern, dass er das Glas absetzen musste.

„Sie hat es behalten“, flüsterte er.

Der Junge nickte und kämpfte gegen die Tränen an.

„Sie hat alles behalten.“

Für einen langen Moment starrte der alte Mann ihn einfach an – die gleichen Augen, der gleiche zitternde Mund, die gleiche stille Würde, die seine Tochter hatte, als sie verletzt war.

Dann brach sein Gesicht.

Er sprang so plötzlich auf, dass der Stuhl über den Steinboden schrammte.

Die Gäste erstarrten, als er auf den Jungen zuging.

Seine Stimme brach vor allen.

„Holt das Auto“, sagte er. „Jetzt.“

Der Junge sah ihn an, verwirrt.

Der alte Mann kniete sich in seinem Frack auf den Gartenweg, nahm das verschmutzte Gesicht des Jungen mit beiden Händen und flüsterte zwischen den Tränen:

„Bring mich zu meiner Tochter.“

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