Als der Mann befördert wurde reichte er die Scheidung ein seine Schwiegermutter lachte doch Lena ließ die Demütigung nicht unbeantwortet

Lena spülte das Geschirr ab und lächelte bei ihren Gedanken.

Heute kam Kostya von der Arbeit zurück, irgendwie verändert — still, konzentriert, aber mit einem seltsamen Funkeln in den Augen.

Sie war seine Stimmung gewohnt, doch dieser Abend war anders.

Er setzte sich an den Tisch, ohne sich umzuziehen, und starrte auf einen Punkt, mechanisch den Tee rührend.

— Kostya, was ist los? — Lena wischte sich die Hände am Handtuch ab und setzte sich ihm gegenüber. — Ist etwas passiert?

Er hob den Blick zu ihr, und sie erschrak plötzlich.

So schaut man, wenn man etwas Schreckliches mitteilen will. Krankheit? Kündigung? Schulden?

— Lena, ich wurde zum Leiter der Abteilung ernannt, — seufzte er.

Die Tasse zitterte in ihrer Hand. Leiter der Abteilung — das war kein Spaß.

Darauf hatten sie die letzten fünf Jahre hingearbeitet, während er als einfacher Manager tätig war.

Lena stellte sich vor, wie sich ihr Leben verändern würde.

Die Schulden für die Hypothek, die schwer wie ein Stein lasteten, könnten endlich leichter abbezahlt werden.

Vielleicht wäre sogar ein Urlaub möglich.

— Das Gehalt beträgt 180.000, — fügte Kostya hinzu. — Plus Boni nach Quartalsergebnissen.

Lena hielt es nicht aus. Sie sprang auf, kippte den Stuhl um und stürzte sich ihm um den Hals.

— Kostya! Mein Gott, was für ein Glück! Ich wusste es, ich habe immer gewusst, dass du es schaffen wirst!

Aber ihr Mann reagierte nicht auf die Umarmung.

Er saß unbewegt, und als Lena sich zurückzog, um ihm in die Augen zu sehen, sah sie dort keine Freude, sondern eine kalte Distanz.

Kostya hob sorgfältig, fast abweisend, ihre Hände von seinen Schultern, richtete seine Brille und sah sie an, als sähe er sie zum ersten Mal.

— Lena, wir müssen ernsthaft reden. Ich habe in letzter Zeit viel nachgedacht. Ich reiche die Scheidung ein.

Die Worte fielen in die Stille der Küche wie schwere Steine.

Lena verstand sie nicht sofort. Scheidung?

Sie hatten doch alles gut.

Sie hatten sich nie ernsthaft gestritten, waren einander treu geblieben, hatten die Hypothek gemeinsam bezahlt, Pläne zusammen gemacht.

— Kostya, du machst Witze? — ihre Stimme zitterte. — Wieso? Wir haben doch eine normale Familie.

— Normal? — er lächelte spöttisch, und dieses Lächeln schnitt schärfer als ein Messer

— Lena, sieh dich mal von außen an.

Unser Alltag, diese gemütliche, billige Wohnung, deine immer müden Augen nach der Arbeit in der Poliklinik.

Das war erträglich, solange ich noch niedere Positionen hatte, wenig verdiente und selbst nicht wusste, was ich wert war.

Aber jetzt hat sich alles geändert.

Lena starrte ihn an und erkannte ihn nicht wieder.

Wohin war der schüchterne Junge verschwunden, den sie unterstützt, gefüttert, getröstet hatte nach misslungenen Vorstellungsgesprächen?

— Ich bin jetzt ein anderer Mensch, — fuhr Kostya fort, und seine Stimme klang hart, fast fremd.

— Ich brauche eine Frau, die meinem Status entspricht.

Nicht eine graue Maus im Kittel, die von der Arbeit kommt und erschöpft zusammenbricht.

— Graue Maus? — wiederholte Lena. — Kostya, ich tue alles für uns. Ich zahle die Hypothek, ich…

— Ich weiß, ich weiß, — unterbrach er. — Du hast immer alles getragen.

Aber das bedeutet nicht, dass ich diesen Ballast mein Leben lang schleppen muss. Du hältst mich zurück, Lena.

Du kannst dich nicht einmal ordentlich anziehen.

Sieh dir den Blazer auf dem Stuhl an, den Mama dir vor drei Jahren geschenkt hat — und du trägst ihn immer noch.

Lena drehte sich automatisch zum Stuhl.

Dort hing tatsächlich der dunkelblaue Blazer mit den goldenen Knöpfen — ein Geschenk ihrer Schwiegermutter zum Geburtstag.

Sie hatte ihn gehasst, aber wegwerfen war ihr schwergefallen, also trug sie ihn, wenn andere Sachen in der Wäsche waren.

— Was hat das mit dem Blazer zu tun? — fragte sie verwirrt.

— Damit, dass du dich nicht ändern willst, — schnitt Kostya ab. — Und ich will schön leben.

Mama hat schon lange gesagt, dass du mich nicht verdienst. Sie hat auf diesen Moment gewartet.

Lena spürte, wie ihr der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.

Sie ließ sich auf den Stuhl sinken, den sie gerade hochgehoben hatte, und starrte ihren Mann an. Zwölf Jahre.

wölf Jahre hatte sie diesem Mann gegeben.

Sie hatte ihn nach dem Institut unterstützt, als er für wenig Geld arbeitete, ihn getröstet, wenn er entlassen wurde,

seine Mutter ertragen, die immer mit Ratschlägen dazwischenfunken musste.

— Ernsthaft? Wegen Geld? — flüsterte sie.

— Wegen Status, Lena. Weil ich jetzt mehr wert bin. Ich kann dich nicht zu Firmenveranstaltungen mitnehmen.

Du hast nichts Anständiges anzuziehen. Du würdest mich vor Kollegen blamieren.

Kostya stand auf, richtete sein Hemd und ging zur Küchentür.

— Heute fahre ich zu Mama, erzähle ihr die frohe Nachricht.

Und wir werden auch besprechen, wie wir uns am besten trennen.

Du denkst derweil darüber nach, wie wir das Eigentum aufteilen.

Die Wohnung muss wohl verkauft werden. Oder ich kaufe dir deinen Anteil ab, wenn ich genug Geld zusammenkriege.

Er hatte schon die Türgriff in der Hand, als Lena sprachfähig wurde.

— Kostya, warte. Und wir? Was ist mit allem, was war?

Er drehte sich um, und in seinem Blick lag kein Funken Mitleid.

— War und ist vorbei. Das Leben geht weiter, Lena. Geh mit oder bleib in der Vergangenheit.

Die Tür fiel ins Schloss. Lena blieb allein in der Küche.

Das Wasser im Spülbecken war längst abgekühlt, ein halb abgewaschenes Geschirr lag einsam auf der Seite.

Irgendwo miaute die Katze, verlangte nach Futter.

Sie saß da, die Hände um den Tischrand gekrallt, und versuchte zu begreifen:

Sie war gerade wie ein nutzloser Gegenstand entsorgt worden.

Aus dem Flur hörte sie das Geräusch der sich schließenden Haustür. Kostya war gegangen.

Zu seiner Mutter. Zu der, die Lena immer für wertlos gehalten hatte und nun wohl den Sieg feierte.

Lena wandte den Blick zum Blazer, der noch am Stuhl hing. Der Stoff glänzte im Licht der Deckenlampe.

Plötzlich wurde ihr heiß, sie riss den Bademantelkragen hoch und weinte — bitter, still, das Gesicht in den Händen vergraben, damit die Katze es nicht hörte.

Am nächsten Morgen wachte Lena mit schwerem Kopf und klebrigem Gefühl der Irrealität auf.

Der gestrige Abend schien ein böser Traum. Sie lag noch etwas da und starrte an die Decke, lauschte der Stille in der Wohnung.

Kostya war nicht über Nacht geblieben. Also war alles ernst.

Sie stand auf, wusch sich mit kaltem Wasser, sah in den Spiegel.

Rote Augen, blasses Gesicht. Graue Maus. Hat er das wirklich gesagt? Bitter lächelte sie ihrem Spiegelbild zu.

Der Arbeitstag in der Poliklinik zog sich endlos. Patienten, Akten, Spritzen, Blutdruck — alles lief automatisch.

Ihre Gedanken waren weit weg. Mal fiel sie in Verzweiflung, dann wurde sie wütend. Am Abend keimte eine dumme Hoffnung:

Vielleicht hatte sich Kostya geirrt? Vielleicht würde seine Mutter ihn zur Vernunft bringen?

Valentina Ivanovna war eine strenge, hartnäckige Schwiegermutter, aber sie musste doch verstehen, dass Familie kein Spielzeug war.

Lena beschloss, zur Schwiegermutter zu fahren. Sie wollte mit ihr und Kostya reden.

Vielleicht könnten sie zusammen sein Gewissen erreichen.

Sie kaufte in der Konditorei die Torte „Vogelschnee“ — Valentina Ivanovnas Lieblingskuchen.

Sie tat das immer, wenn sie sich versöhnen oder einfach nur zu Besuch gehen wollte, um die Laune der Schwiegermutter zu versüßen.

Die Tür öffnete Valentina Ivanovna selbst. Sie war kräftig gebaut, hatte eine perfekte Frisur und ein schickes Hauskleid an.

Als sie Lena sah, zeigte sich keine Überraschung.

Auf ihrem Gesicht breitete sich ein süßliches, zuckriges Lächeln aus, das Lena zusammenzuckte.

— Oh! Du bist gekommen, ohne Staub anzusetzen! — rief sie und musterte die Schwiegertochter von Kopf bis Fuß.

Ihr Blick blieb kurz auf dem Blazer haften, den Lena anhatte, weil sonst nichts Passendes griffbereit war.

— Komm rein, wir trinken gerade Tee, haben Champagner geöffnet. Wir feiern das Ereignis.

Lena trat ein, folgte ihr. Die Küche roch nach Pfannkuchen und etwas Süßem.

Kostya saß am Tisch, das Gesicht verzogen, als hätte er eine Zitrone gebissen.

— Mama, ich habe doch um keine Zeugen gebeten, — murrte er und legte das Glas ab.

— Ach was, mein Sohn, — lachte Valentina Ivanovna, setzte sich an den Kopf des Tisches.

— Lass sie doch sehen, wie das echte Leben ist. Setz dich, Lena, stehe nicht wie ein Pfosten. Am Fuß der Wahrheit steht nichts.

Lena setzte sich an den Rand des Stuhls, stellte die Torte auf die freie Ecke des Tisches. Ihre Hände zitterten leicht.

— Valentina Ivanovna, Kostya, ich wollte reden, — begann sie leise.

— Vielleicht sollte man nicht sofort alles zerschlagen? Kostya, wir waren so lange zusammen…

— Oh, fang nicht an, — unterbrach Kostya, die Augen verdrehend. — Es ist alles entschieden. Ich habe dir gestern alles gesagt.

— Aber warum? — in Lenas Stimme glitten Tränen. — Ich verstehe es nicht. Kann man nach Geld einfach zwölf Jahre auslöschen?

Valentina Ivanovna lachte laut und scharf. Dieses Lachen schnitt in den Ohren, voller Schadenfreude und Überlegenheit.

— Kindchen, — sagte sie, nachdem sie sich wieder gefasst hatte, — bist du wirklich so naiv oder spielst du nur? Zwölf Jahre!

Du hast dich doch nur an meinen Sohn gehängt wie eine Blutegel und seine Kraft, seine Jugend, sein Potenzial ausgesaugt.

Die ganze Zeit hast du ihn runtergezogen.

— Ich habe ihn runtergezogen? — Lena war völlig verwirrt.

— Ich habe ihn unterstützt! Ich habe geschuftet, mein gesamtes Geld in die Hypothek gesteckt, ich…

— Was hast du eingezahlt? — unterbrach die Schwiegermutter.

— Deine armseligen Groschen? Großmutters Erbe? Das sind nicht deine Verdienste, sondern die deiner Großmutter.

Und sonst? Wer bist du? Eine gewöhnliche Krankenschwester in einer Poliklinik für wenig Geld.

Kein ordentliches Studium, keine Kontakte, keine Manieren. Sieh dich an:

Dieser hässliche Blazer, den ich dir aus Mitleid geschenkt habe, trägst du immer noch. Du gehst wie eine Leiche.

Lena berührte automatisch den Ärmel. Der Blazer schien plötzlich widerlich, klebrig, fremd.

— Kostya ist jetzt Abteilungsleiter, — fuhr die Schwiegermutter fort, stolz auf ihren Sohn blickend.

— Er braucht eine würdige Partnerin.

Eine Frau, die neben ihm glänzt, seinen Status unterstützt, nicht durch ihr Aussehen auf Firmenveranstaltungen blamiert.

— Ich habe niemanden blamiert… — flüsterte Lena.

— Und was war bisher? — unterbrach Valentina Ivanovna.

— Du warst nie eingeladen, weil es peinlich wäre. Also hör auf zu weinen. Kostya hat es dir menschlich erklärt.

Er wird dir vielleicht Waschmaschine oder Hocker lassen. Zum Dank für deine Jahre… hm… Dienste.

Nicht mit leeren Händen rauswerfen.

Sie lachte wieder. Kostya lächelte ebenfalls zufrieden, selbstgefällig, die Mutter betrachtend.

Lena sah sie an und spürte etwas Heißes, Böses in sich aufsteigen.

Diese beiden saßen da, aßen Kaviar, tranken Champagner wegen seiner Beförderung und machten sich offen über sie lustig, über ihr Leben, über zwölf Jahre.

— Ihr… ihr lacht über mich? — stieß sie hervor, das Gesicht brennend.

— Und warum sollten wir weinen? — Valentina Ivanovna hörte abrupt auf zu lachen, ihr Blick wurde scharf und hart.

— Hör zu, Mädchen. Hör auf, dich als Opfer zu inszenieren. Du bist selbst schuld, dass du meinen Sohn nicht halten konntest.

Du konntest nicht interessant, begehrenswert, nötig sein. Du warst nur bequem, verstanden? Die Wohnung, Gemütlichkeit, Kochen.

Jetzt ist er erwachsen aus den kurzen Hosen. Pack deine Sachen und mach Platz für eine andere, würdigere Frau.

Lena schnappte nach Luft. Sie öffnete den Mund, konnte aber kein Wort hervorbringen. In ihrem Kopf pochte: bequem, bequem, bequem…

— Übrigens wegen der Wohnung, — fuhr Valentina Ivanovna fort, als wäre nichts geschehen, die Schale mit Marmelade zu sich ziehend.

— Ihr werdet sie doch verkaufen? Oder wie? Kostya, du sagtest, du würdest ihren Anteil abkaufen?

— Noch nicht entschieden, Mama. Ich schaue, wie viel Gehalt ich im Voraus bekomme, — antwortete Kostya und nahm einen Pfannkuchen.

— Ach ja, ach ja, — schielte die Schwiegermutter auf Lena.

— Und du, Lena, gehst ins Wohnheim? Oder zu deiner Mutter aufs Land? Ach ja, du hast ja eine Mutter auf dem Land, ein Holzhaus.

Auch eine Option. Du wirst den Ofen anheizen, die Kuh melken.

Und sie lachten wieder — im Duett, laut, widerlich.

Lena stand auf. Die Beine gehorchten kaum, doch sie zwang sich, aufzustehen. Die Torte blieb auf dem Tisch, unberührt.

— Ich gehe, — sagte sie leise, den Blick abgewandt.

— Geh, geh, — winkte Valentina Ivanovna. — Und mach die Tür hinter dir zu, damit kein Zug durchkommt.

Lena trat aus der Küche, überquerte den Flur, trat auf die Treppe. Die Tür fiel mit schwerem Knall ins Schloss.

Sie lehnte sich mit dem Rücken an die kalte Wand und schloss die Augen. Das Lachen hallte immer noch in den Ohren — satt, zufrieden, zerstörerisch.

(Visited 108 times, 1 visits today)