Vitalij kehrte nach Hause zurück, versunken in Gedanken über Arbeit, Pläne und Geschäfte.
Doch seine Überlegungen wurden von einer Stimme unterbrochen, die ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ.
— Papa, bring mich zurück ins Waisenhaus! — leise, verzweifelte Worte durchbrachen die Stille wie ein Blitz aus heiterem Himmel.
Diese Worte trafen ihn mitten ins Herz.
Er blieb regungslos stehen.
Wie konnte seine geliebte Tochter Katiusia so etwas sagen?
Jedes ihrer Worte schmerzte, als würde jemand ihm ein Messer ins Herz stoßen.
Er wollte seinen Ohren nicht trauen.
Er stand im Türrahmen, wie versteinert, und sein Geist wurde von den dunkelsten Gedanken überwältigt.
Das Haus, das einst vor Wärme und Lachen pulsierte, schien ihm nun fremd.
— Meine Kleine… warum sagst du das? — fragte er leise und bemühte sich, seine Stimme ruhig und liebevoll klingen zu lassen.
Ein schweres Seufzen verstärkte nur die angespannte Atmosphäre.
Als Antwort hörte er nur das Knarren der sich schließenden Tür.
Das Echo hallte durch den leeren Flur.
Vitalij versuchte, sich an glückliche Momente zu erinnern.
Noch vor Kurzem war alles in Ordnung gewesen…
Was war geschehen?
Was hatte sein Kind in diesen Zustand versetzt?
Er war bereit, in die tiefsten Abgründe hinabzusteigen, nur um zu verstehen, woher dieses Leid kam…
Und was während seiner Abwesenheit geschehen war.
… Er war früher von seiner Dienstreise zurückgekehrt — und ERFROR, als er sah, was ihn erwartete.
Benommen stand er im Flur.
Das Haus, das immer seine Festung gewesen war, schien ihm nun fremd.
Auf dem Tisch stand das unvollendete Abendessen, auf dem Boden lagen verstreute Spielsachen.
Aber das Schlimmste waren die leisen Schluchzer, die aus dem Kinderzimmer drangen.
Vorsichtig trat Vitalij zur Tür und öffnete sie einen Spalt.
Katia saß auf dem Bett, das Gesicht ins Kissen gedrückt.
— Wer hat dir wehgetan? — flüsterte er und setzte sich neben sie.
Das Mädchen hob ihr tränenüberströmtes Gesicht.
— Mama hat gesagt… dass du uns nicht mehr liebst.
Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken.
— Was hast du gesagt?

— Sie sagte, du hast eine andere Frau… und dass ich dir nur im Weg stehe.
Vitalij ballte die Fäuste.
Er erinnerte sich an die letzten Monate: ständige Dienstreisen, die Kälte seiner Frau, ihre merkwürdigen Telefongespräche, die sie sofort beendete, sobald er den Raum betrat.
— Katiusja, das ist nicht wahr.
Er umarmte seine Tochter und spürte, wie ihr kleiner Körper zitterte.
— Ich liebe dich sehr.
Und ich werde nirgendwo hingehen.
Doch in seinem Inneren tobte bereits ein Sturm.
Er ging in den Flur, nahm sein Telefon und rief seine Frau an.
— Alona, wir müssen reden.
Ihre Stimme war unnatürlich ruhig:
— Ich weiß, worum es geht.
— Hast du unserer Tochter gesagt, dass ich die Familie verlasse?
Eine kurze Stille.
Dann ein leises Lachen.
— Und ist das nicht wahr?
Du bist doch sowieso nie zu Hause.
— Ich arbeite!
Damit euch nichts fehlt!
— Wir brauchen dein Geld nicht, Vitalik.
Wir brauchen dich.
Er schloss die Augen.
Ja, er hatte versagt.
Aber das erklärte nicht ihre Grausamkeit.
— Wir werden uns scheiden lassen — sagte er leise.
Am nächsten Tag nahm Vitalij Urlaub.
Er nahm Katia mit in den Park, las ihr Geschichten vor und lernte neu, Vater zu sein.
Einen Monat später stellte er den Antrag auf alleiniges Sorgerecht.
Das Gericht gab ihm recht.
Alona erschien nicht einmal zur Verhandlung.
Seitdem lebten sie nur zu zweit.
Und wenn Katia abends an ihn geschmiegt flüsterte:
— Papi, ich liebe dich…
Wusste er, dass das das Wichtigste war.
Und das Waisenhaus?
Das war nur ein böser Traum, den sie gemeinsam überwunden hatten.



